ALLES – ODER WENN NICHTS ALLES IST

Einmal im Jahr gönne ich mir eine Auszeit, um meinen inneren „Reset“-Button zu drücken und meinen Körper ein stückweit auf Werkseinstellung zurückzusetzen. Die Feierlichkeiten zu Weihnachten und Silvester haben Spuren hinterlassen und – ich weiß nicht, wie es euch geht – irgendwann spüre ich den Zauber des Genusses gar nicht mehr. Zuerst ist es eher Reste-Essen, dann will der Pegel an Schlecker- und Knabbereien gehalten werden und irgendwann wird dieses Schlemmen fast schon zur Normalität. Da meckert irgendetwas in mir, wenn’s mal einen Tag etwas weniger genussvoll zugeht auf der Zunge.

Was tue ich also genau in diesem Zustand? Ich gönne mir den Verzicht auf all dies in Form einer Woche Heilfastens. Also den Verzicht auf Essen und damit quasi das Gegenteil von dem, was ich meinem Körper vorher gegeben habe. Oder zumindest eine sehr stark reduzierte Variante, um es mal blumig auszudrücken. Eine Woche ohne feste Nahrung, dafür mit Tee soweit die Kannen reichen, einem erfrischenden Saft am Mittag und einer wärmenden, klaren Brühe am Abend.

Und oft, wenn ich mich in meine Fastenwoche verabschiede und mir dann z.B. ein Kollege einen schönen Urlaub wünscht, kommt gleich der verschämte Zusatz hinterher „… wenn man das denn überhaupt als schön bezeichnen kann.“

Antwort: „Doch, ja, kann man.“ Sehr viele Heilfastende können das zumindest. Und ich möchte auch nicht neunmalklug daherkommen: Bevor ich es das erste Mal selbst erlebt habe, konnte ich es mir auch nicht vorstellen – beim besten Willen nicht. Deswegen war das Ziel meiner damaligen allerersten Fastenzeit auch: Basenfasten. Da gibt es dann neben Tee, Saft und Brühe leckerste basische Kost: Salate, Gemüseaufläufe, gebundene Suppen und schon gleich am Morgen ein superleckeres Müsli.

Was aber ungünstiger Weise alle Fastenvarianten gemein haben: Am Anfang steht der Abschied des Mageninhaltes – oder konkreter ausgedrückt: das Abführen ebendieses. Und, wenn’s hakt, eine ganze Nacht auf dem (in dieser Nacht meistens nicht ganz so) stillen Örtchen. Dieses unvergessliche Erlebnis wird auch den Basenfastenden nicht vorenthalten. Und schnell ergab sich bei mir die Frage: „Wenn ich das dann schon hinter mich gebracht habe und der Magen leer ist – muss da überhaupt direkt wieder was rein?“

So bin ich seinerzeit beim Heilfasten gelandet.   

Aber eigentlich geht es ja um etwas ganz anderes: Es geht um die Tatsache, dass nichts (essen) ganz schön gut sein kann! Da der Körper in dieser Zeit nicht den ganzen Tag mit Verdauen beschäftigt ist, hat er ordentlich Energie übrig, die sich hervorragend anderweitig einsetzen lässt.

Und wo wir gerade dabei sind: Am meisten Spaß macht Fasten übrigens woanders = nicht zuhause. Neben dem Nahrungsverzicht, verzichtet man in diesem Fall nämlich gleichzeitig auch auf alle Pflichten, die einen zuhause ständig am Ärmel ziehen. Woanders landet die Energie nicht im z.B. Haushalt, sondern in Wanderungen, Sport, aber auch in ganz viel Zeit für sich und seine Gedanken. Woanders gibt es diese unendliche Freiheit, das zu tun, was einem gerade am besten tut. Und das ist manchmal auch einfach mal: nichts.  

„Verzicht nimmt nicht. Verzicht gibt. Er gibt die unerschöpfliche Kraft des Einfachen.“

Martin Heidegger

Das ist in unserer immer komplexer werdenden Welt so selten geworden, dass es definitiv genießenswert ist.   

Und für alle, die hadern, ob man denn hinsichtlich dieses Urlaubsgrundes überhaupt einen „Schönen Urlaub“ wünschen sollte: Ich denke schon. Eine Woche Fastenurlaub ist (zumindest für mich) definitiv ein wirklich schöner, entspannter, leichter, fröhlicher, besinnlicher Urlaub und dem Körper tut es allemal gut.

Diese Fasten-Gedanken trage ich nun schon ein Jahr spazieren und sie wollten bereits letztes Jahr während meiner Fastenzeit geschrieben sein, aber das „nichts“ hat sich einfach seinen Raum genommen und das war auch gut so. Diese Jahr haben wir’s gleich zum Fastenstart geschafft und so schlendern wir nun mit euch diesen Spaziergang eher gemütlich daher und genießen dazu die leisen Töne von Air und „All I need“. Manchmal nämlich gar nicht so viel ….

All I need is a peace of this mind I can celebrate.

2 Antworten zu „ALLES – ODER WENN NICHTS ALLES IST“

  1. Avatar von Petra Kinkeldey
    Petra Kinkeldey

    Natascha, genau so ging es mir auch gerade nach der Weihnachtsvöllerei und ich habe auch eine Woche fasten als Neujustierung gebraucht. Wo warst du zum fasten?

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    1. Liebe Petra,
      jetzt bin ich doch vor lauter Entspannung ganz über eine Antwort hinweg gekommen 😉
      Ich faste immer im schönen Münsterland in klösterlich bescheidener Atmosphäre, mit tollem Fasten-Team und einem (für mich) genau richtigen Fastenleiter. Und für mich habe ich festgestellt, dass Fasten in einer Gruppe einfach viel mehr Spaß macht. (https://www.fasten-zentrum.de/)
      Wie war deine Fastenwoche? Warst du auch unterwegs oder hast du genug Ruhe und inneren Willen, das zu Hause zu genießen?
      Ich wünsche dir, dass du lange davon zehren kannst ❤
      Liebe Grüße, Natascha

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