Gedankenspaziergänge funktionieren tatsächlich am besten, wenn ich mich mit meinen Gedanken mitbewege. Früher war das joggen, heute ist es Nordic Walking.
Vor einer ganzen Weile hatte ich auf so einer Tour eine Begegnung, die mich heute noch wurmt: Ich (klapperstock-walkend), zwei ältere Herren auf der Bank am Wegrand:
Ältere Männer:
„Na? Ohne Stöcker klappt‘s wohl nicht mehr, was?“ (kicher, kicher)
Ich:
„Ihnen auch noch’n schönen Tag!“ (schnauf, schnauf)
Ich schnaufe vor Anstrengung und auch, weil ich mich ärgere. Immerhin – Stöcker hin oder her – bewege ich mich. 10 km im strammen Gang, während die Jungs faul auf der Bank sitzen und dumme Sprüche reißen.
Heute wiederum war ein guter Tag: Nur fröhlich sportelnde Menschen und ein älterer Herr auf dem Fahrrad der mir zurief: „Ein junges Rehlein so früh am Morgen – wie schön!“ Der hält es wie die Sonnenblumen auf dem großen Feld, an dem ich vorbeilaufe: Er hält sein Gesicht Richtung Licht.
Schaffe ich leider nicht immer so gut, wie ihr am ersten Beispiel seht. Dabei habe ich selbst mal Beschwerdemanagement geschult und weiß, dass man seinen Ärger nicht los wird, wenn man ihn auf andere projiziert. Bringt null. Positive Gedanken wiederum potenzieren sich, wenn man sie teilt. So hätte ich den Spruch der beiden älteren Jungs auch einfach als das auffassen können, was es sicher auch war: Ein Scherz und ein Grund, mal wieder zu lachen (soll ja auch gesund sein).
Auch im Rahmen der aktuellen Wahldebatten hat mich ein Post zum Nachdenken gebracht: Darf ich die Grünen wählen, wenn ich selbst nicht so umweltbewusst agiere, wie ich könnte und sollte? Ich bin sehr dankbar für diese Anmerkung, denn sie hat meine Gedanken nochmal in Schwung gebracht. Und mich noch mehr bestärkt, dass ich es deswegen sogar umso mehr tun sollte. Damit nicht nur ich in meinen eigenen vier Wänden umdenke, sondern dies auch bundesweit durch eine Veränderung von Bestimmungen und Regeln für mehr Klimaschutz in immer mehr Haushalte und die Wirtschaft getragen wird.
Der erste Schritt, um irgendwo hinzukommen, ist zu entscheiden, nicht dort zu bleiben, wo du bist.
J. P. Morgan
Kritische Anmerkungen sind ein Geschenk, denn sie stoßen uns an – manchmal unsanft, manchmal unbequem – bringen sie uns und unsere Gedanken aber fast immer in Bewegung.
Meine Gedanken und ich haben beschlossen, es ein wenig mehr wie der alte Mann und die Sonnenblumen zu halten und den Blick mal öfter Richtung Licht zu richten und auf ein „Rehlein“ genauso dankbar zu reagieren, wie auf vermeintlich dumme Sprüche oder kritische Anmerkungen. Und in jedem „Buh“ auch ein „Hurra“ zu hören.
Und ich werde mich auch weiterhin hier und da mal leidenschaftlich aufregen, weil das manchmal sein muss und auch (Sonnen-)Blumen etwas Schatten gut tut.
Bosse hat mir akustisch gezeigt, wie gut diese „Hurras“ sind und wie wertvoll es ist, den einen Menschen (oder Pinguin) zu haben (optimalerweise auch mehr), der einem im richtigen Moment ein „HURRA“ ins Gesicht schreit.


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